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Bernd Krause, Mitglied des Stadtvorstandes

Ein Grillfest bei der Tafel Neu Olvenstedt

Wenn es um die Anhäufung von Reichtum geht, scheint auch Deutschland ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein. In keinem anderen Land Europas gibt es eine so ordinäre Anhäufung von Reichtum. Das reichste ein Prozent der Bevölkerung besitzt hierzulande über 30 % des gesamten Privatvermögens. Die ärmere Hälfte dagegen muss sich mit mageren 2,5 % abfinden.

Das war in Deutschland nicht immer so perfide. Insbesondere bis zum Jahre 2003/2005 galt in der Bundesrepublik Deutschland immer noch die gesellschaftliche Absprache, dass ein gewisses Maß an sozialer Gerechtigkeit einzuhalten ist (soziale Marktwirtschaft?). Arbeitnehmer_innen aber auch Erwerbslose konnten bis dahin wenigstens noch einen Funken Hoffnung haben, dass sich eigene Leistungen auszahlen würden oder man früher oder später wieder in Erwerbsarbeit kommen würde.

Doch mit der von SPD und Grünen verabschiedeten Agenda 2010 sowie mit der Einführung des vierten Gesetzes für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt („Hartz IV“) wurde mit diesem Versprechen ebenso gebrochen, wie mit den letzten sozialdemokratischen Ansätzen der sogenannten „Partei der kleinen Leute“. Seitdem sind Armut und ihre Vererbbarkeit per Gesetz geregelt und die Kluft zwischen arm und reich so groß wie nie.

Seitdem haben nicht nur Tafeln (die in Neu Olvenstedt wurde im Mai 2006 eröffnet) oder auch Suppenküchen für Arme wieder Konjunktur, sondern es macht sich auch Hoffnungslosigkeit breit und es setzt sich die Erfahrung durch, dass nur der Ellenbogen zählt, wenn man dem sozialen Abstieg und der Unsicherheit halbwegs entgehen will.

Obwohl jeder wissen müsste, dass die in Deutschland (und Europa) seit gut einem Jahr eintreffenden Flüchtlinge und Asylbewerber für das seit über 10 Jahre bestehende Elend und der prekären Lebensverhältnisse vieler Menschen wohl kaum verantwortlich sein können, entladen sich Wut und Verzweiflung in Bahnen, die auf Verachtung und Gewalt gegenüber noch Schwächeren hinauslaufen. Auf diesem Scherbenhaufen gedeihen Intoleranz, die Suche nach Sündenböcken, Nationalismus und vieles „Rechtes“. Auch die gesellschaftliche Linke und DIE LINKE als Partei haben diese Tendenz bisher nicht aufhalten, geschweige denn umkehren können.

Warum? Wieso? Das sind die Fragen, die uns auch als Stadtvorstand gerade angesichts des Zulaufes bei der AfD bewegen!

Eine Antwort wäre, dass unsere stetigen sozialen Bemühungen, Reden in den ’hohen Häusern’, gute parlamentarische Arbeit, Auftreten in Talkshows u.ä.m. von den in prekären Verhältnissen lebenden Menschen kaum noch zur Kenntnis genommen werden. Wir müssen wieder mehr Vertrauen und Gehör bei der „ärmeren Hälfte“ unserer Bevölkerung, bei Nichtwähler_innen und sonstigen Politik- bzw. Parteiverdrossenen gewinnen bzw. finden. Es muss künftig mehr darum gehen, ihnen die Erfahrung zu vermitteln, dass sich DIE LINKE in sozialer Hinsicht aber auch bezüglich ihres Gesellschaftskonzeptes und ihrer Zuverlässigkeit wesentlich von all den anderen Parteien abhebt.

In diesem Sinne wollen wir künftig mehr entsprechend der Erkenntnis handeln, dass der Parlamentarismus allein unsere Anwesenheit auf der Straße, unsere Anwesenheit vor Ort nicht ersetzt. Entsprechend haben wir beschlossen, unser diesjähriges Sommerfest mit und unter den Menschen durchzuführen, die uns und linke Politik vor allem benötigen. Nicht nur über und für sie sprechen, sondern unter ihnen agieren, mittendrin sein, mit ihnen sprechen und ihnen die Gewissheit vermitteln, dass sich DIE LINKE tatsächlich auch kümmert!

„DIE LINKE kümmert sich!“ Unter diesem Motto haben wir dann auch ein kleines aber sehr erfolgreiches Sommergrillfest bei der Tafel in Neu Olvenstedt ausgerichtet.

Aus Spenden bzw. Beiträgen der Mitglieder des Stadtverbandes DIE LINKE Magdeburg haben wir Besucherinnen und Besuchern der Tafel, darunter auch vielen Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern aus dem nahegelegenen Wohnblock, und anderen Besucher_innen aus Neu Olvenstedt kostenlos Kulinarisches vom Grill gereicht. Das hat natürlich großen Zuspruch und entsprechende Anerkennung gefunden.

Wohlwollend haben wir zur Kenntnis genommen, dass Frau Borris als Sozialbeigeordnete, Frau Rießler als Geschäftsführerin der AQB, unsere Bundestagsabgeordnete Rosemarie Hein sowie unsere Landesvorsitzende Birke Bull und letztlich auch mit Rüdiger Ettingshausen ein Vertreter der Landtagsfraktion am Fest teilnahmen bzw. uns einen Besuch abstatteten. Begrüßen konnten wir auch Herrn Köder als Stadtteilmanager und Herrn Gehrmann als GWA-Sprecher und Vorsitzenden der Bürgerinitiative Olvenstedt e.V. Auch über den Besuch der ehemaligen Landtagsabgeordneten Frank Thiel und Edeltraud Rogée haben wir uns sehr gefreut.

Für das gelungene Fest bedanken wir uns bei allen Helferinnen und Helfern. Darunter auch mehrere Sympathisanten unserer Partei. Hervorgehoben werden sollte auch, dass es unserer Stadtratsfraktion gelungen ist, ihre planmäßige Sitzung spontan zu verlegen und damit vor Ort durchzuführen. Ein besonderer Dank gilt den Besucherinnen und Besuchern der Tafel sowie den ausländischen Freunden, die beim Auf- und Abbau tatkräftig mit zupackten. Danke auch für die kooperative Unterstützung durch die Verantwortlichen der Tafel selbst.

Abschließend sei gesagt, dass wir uns sicher alle dahingehend einig sind, dass die Anwesenheit von Tafeln in unserem Land, in unserer Stadt keine rühmliche Angelegenheit ist. Tafeln sind heute leider einfach erforderlich! Besser wäre, wir hätten sie in diesem einerseits superreichen, andererseits bedürftigen Deutschland nicht nötig!